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Physiologie und Pathophysiologie der oberen Atemwege
Im Schlaf lässt, im Gegensatz zum Wachzustand, die Spannkraft aller Muskeln nach. Dies gilt ebenso für die an der Atmung beteiligten Muskeln. Bei den meisten Menschen hat dies keine negativen Auswirkungen auf die Atmung im Schlaf, bei manchen jedoch ist dagegen der Tonusverlust der Muskeln der extrathorakalen Atemwege derart groß, dass die Atmung in erheblichem Maße beeinträchtigt wird.
Das Schnarchgeräusch entsteht dabei durch flatternde Bewegungen des Gaumensegels und des Zäpfchens, zum Teil aber auch des Zungengrundes, wobei in manchen Fällen eine Lautstärke jenseits der 100 dB erreicht werden kann. Hierdurch stört der Betroffene nicht nur sein Umfeld in erheblichem Maße, sondern kann auch selbst aufwachen. Zum Vergleich entwickeln eine Kettensäge oder ein Presslufthammer Schalldruckpegel von ca. 100 dB.
Abb. 1: Schnarchen entsteht durch Vibrationen am Gaumensegel/Uvula
Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Patienten mit Schnarchen die Muskulatur des Gaumens und des Rachens stark erschlaffen kann, so dass schon ein zusätzlicher geringfügiger, durch die Atmung bedingter Unterdruck (Bernoulli Effekt) im Rachen genügt, dass der Rachenring derart verengt und es zum vollständigen Kollaps der Atemwege kommen kann, was eine obstruktive Atempause zur Folge hat.
Krankhafte Atemstillstände dauern dabei länger als zehn Sekunden, wodurch der Sauerstoffgehalt des Blutes abfällt (Hypoxämie). Dies führt zu einer Mangelversorgung der Gewebe und als Folge kommt es zu einer kurzfristigen Weckreaktion des Körpers (“micro-arousal”), aufgrund derer die Atmung, manchmal explosionsartig, wieder einsetzt. In den meisten Fällen bemerkt dies der Patient jedoch nicht.
Abb. 2 und 3: Anatomische Verhältnisse bei der Schlafapnoe
Die physiologische Struktur des Schlafs kann jedoch alleine durch lautes Schnarchen gestört oder vollständig zerstört werden, so dass die Erholungsfunktion des Schlafes vermindert oder aufgehoben wird. In schweren Fällen setzt bei der obstruktiven Schlafapnoe die Atmung bis ca. 1 Minute aus. Solche Atempausen können bis zu 100-mal in der Stunde auftreten und damit bis zu 75% der gesamten Schlafdauer ausmachen. Beim Kollaps der oberen Atemwege entstehen Schnarchgeräusche, sodass Patienten mit Atempausen praktisch immer starke Schnarcher sind.
Abb. 4: Bernoulli Effekt
Daniel Bernoulli (1700-1782) ein Schweizer Mathematiker forschte in der Aerodynamik und entdeckte die Beziehung zwischen der Fließgeschwindigkeit einer Flüssigkeit und deren Druck. Er konstatierte, dass in einem strömenden Medium (Gas oder Flüssigkeit) ein Geschwindigkeitsanstieg von einem Druckabfall begleitet ist. Für die HNO-Heilkunde bedeutet dies, dass durch einen Anstieg der Strömungsgeschwindigkeit in den Atemwegen ein Unterdruck entsteht, der die Wandungen “ansaugt”.
Ein weiteres Problem des primären Schnarchens sei hier angesprochen. Die fortwährenden Vibrationen des Gaumensegels können die Nervenendigungen der die Muskulatur des weichen Gaumens innervierenden Nerven zunehmend mechanisch schädigen. Das wiederum führt zu weiterer Erschlaffung des Gaumensegels und Verstärkung des Problems. Obwohl die Zusammenhänge noch nicht vollständig geklärt sind, ist aufgrund dieses Mechanismus vorstellbar, dass sich aus einem primären Schnarchen früher oder später ein obstruktives Schlafapnoesyndrom entwickelt. Durch die Vibrationen in den Atemwegen sollen zudem noch Entzündungen hervorgerufen werden.
Das primäre Schnarchen wurde lange als zwar “nur” störend, doch für die Gesundheit als eher nicht gefährlich eingestuft. Neue Untersuchungen aus Österreich zeigen jedoch, dass Schnarcher weitaus eher an chronischer Bronchitis leiden als ruhige Schläfer.
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